Peter Altenberg

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Peter Altenberg
Skulptur von Peter Altenberg im Café Central, 2012

Peter Altenberg (* 9. März 1859 als Richard Engländer in Wien, † 8. Jänner 1919 in Wien) war Schriftsteller und ist ein bekannter Vertreter der Wiener Kaffeehausliteratur.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Peter Altenberg war der älteste Sohn einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie. Nach bestandener Matura begann er mit dem Studium. Er brach jedoch sowohl das Jura- als auch das Medizinstudium ab. Auch eine Buchhändlerlehre in Stuttgart blieb ohne Abschluss.

Daraufhin bat sein Vater einen Arzt um Hilfe. Dieser attestierte 1882 „Überempfindlichkeit des Nervensystems“ und „Berufsunfähigkeit“. Damit schied die Möglichkeit eines geregelten Broterwerbs aus. Ein Leben lang litt Altenberg unter Schmerzen und Depressionen. Obwohl er sich gesund und vegetarisch ernährte, konsumierte er exzessiv Alkohol und Tabletten. Nicht zuletzt deswegen wurde er in seinen letzten Lebensjahren wiederholt in Nervenheilanstalten eingeliefert.

Mitte der 80er trennte sich Altenberg von seiner Familie und führte fortan das Leben eines Bohemien und Kaffeehausliteraten. Er wohnte zumeist in gemieteten Hotelzimmern. Sein wohl bekanntester Sitz war das Graben-Hotel in der Dorotheergasse, das er ab dem Jahr 1913 bis zu seinem Tod bewohnte.

Seit dem Jahr 1890 war er Stammgast im Café Griensteidl. Außerdem war er Mitglied in dem Literatenzirkel Jung-Wien, der sich regelmäßig unter der Leitung von Hermann Bahr traf. Weitere Mitglieder der Gruppierung waren Alfred Polgar oder Arthur Schnitzler. Einige Jahre später entdeckte Altenberg das Café Central für sich. Dieses gab er sogar als seine Adresse an und ließ sich die Post dorthin liefern. Wenn Altenberg nicht im Kaffeehaus war, hieß es, sei er am Weg dorthin.

Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er um 1892. Im Jahr 1893 legte sich Richard Engländer seinen Künstlernamen Peter Altenberg zu. Er war damals mit einer Familie befreundet, die in Altenberg an der Donau wohnte. Deshalb verwendete er den Ort als Pseudonym.

1896 veröffentlichte Altenberg sein erstes Buch „Wie ich sehe“. Der schriftstellerische Erfolg begann. Insgesamt schrieb er im Laufe seines Lebens zehn Bücher. Dennoch konnte er von den Einnahmen nicht leben. Als sein Bruder Georg die väterliche Firma schließen musste, schwand das Familienvermögen zusehends. 1903 gab er zusammen mit Alfred Loos die Zeitschrift „Kunst. Monatsschrift für Kunst und alles Andere“ heraus. Nach einigen Jahren, 1904, fiel die familiäre Existenzsicherung weg. Dadurch war Altenberg gezwungen wiederholt seine Freunde und Bekannte um Geld zu bitten. Karl Kraus oder Hugo von Hofmannsthal unterstützten ihn und forderten andere zum Spenden für Altenberg auf. Zusätzlich begann Altenberg Kolliers in Nachtlokalen zu verkaufen.

Ab 1905 erhielt er regelmäßig Honorare für seine Tätigkeit bei der „Wiener Allgemeine Zeitung“. Dort publizierte er literarische Texte, Essays und Kritiken. Er war aber auch Mitarbeiter für weitere Zeitungen sowie bei „Fackel“ von Karl Kraus.

1910 trat er zum Katholizismus über und ließ sich taufen. In den nächsten Jahren litt er unter einem Nervenleiden, verursacht durch seinen Alkoholkonsum. Schwere Krisen folgten, Altenberg litt unter Verfolgungswahn. Mehrfach wurde er in eine Nervenheilanstalt eingewiesen, zum Teil auch gegen seinen Willen auf Veranlassung seines Bruders.

Am 8. Jänner 1919 verstarb Peter Altenberg. Er ist in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet.

[Bearbeiten] Literarisches Schaffen

Altenbergs Werk besteht aus kleinen Prosastücken, Aphorismen, Betrachtungen, literarischen Skizzen und Texten für das Kabarett. Alban Berg vertonte einen Teil seiner Werke. So komponierte er nach Texten von Altenberg 1913 seine „Fünf Orchesterlieder“ (Altenberg-Lieder, opus 4). Es wurde zu einem wichtigen Werk der musikalischen Wiener Moderne.

Im Jahr 1896 veröffentlichte Altenberg die erste Sammlung seiner literarischen Skizzen in dem Buch „Wie ich es sehe“: impressionistische Momentaufnahmen, denen meist eine Handlungsstruktur fehlt. Ein Jahr später erschien „Ashantee“, gewissermaßen eine Reflexion auf eine „Völkerschau“ von Angehörigen des Stammes der westafrikanischen Ashanti im Wiener Tiergarten.

Sowohl inhaltlich, als auch formal, spiegeln seine Werke die charakteristischen Empfindungen des Bohemien-Daseins der damaligen Zeit wieder. Es sind Skizzen und Betrachtungen der damaligen Gesellschaft.

[Bearbeiten] Werke (Auswahl)[1]

  • 1896 Wie ich es sehe (Prosaskizzen)
  • 1897 Ashantee (Prosaskizzen)
  • 1901 Was der Tag mir zuträgt (Prosaskizzen)
  • 1906 Prodromos (Gesundheitsideen, Modenotizen, Rezepte, Aphorismen, Skizzen, Splitter)
  • 1908 Märchen des Lebens (Prosaskizzen)
  • 1909 Bilderbögen des kleinen Lebens (Prosaskizzen)
  • 1911 Neues Altes (Prosaskizzen)
  • 1913 Semmering 1912 (Prosaskizzen)
  • 1915 Fechsung (Prosaskizzen)
  • 1916 Nachfechsung (Prosaskizzen)
  • 1918 Vita ipsa
  • 1919 Mein Lebensabend

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Peter Altenberg auf gutenberg.spiegel.de Abgerufen am 13. November 2012