Wiener Gabelfrühstück

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Rindsgulasch hat in Wien auch als Gabelfrühstück Tradition

Das Wiener Gabelfrühstück ist eine sehr wienerische[1], heute schon historische, vormittägliche Zwischenmahlzeit, die ihren Namen von der Voraussetzung borgte, dass man, im Unterschied zur ausgedehnten Hauptmahlzeit, zu ihrer raschen Einnahme eben bis auf eine Gabel nichts weiter brauchen sollte. Deshalb musste das Fleisch der nicht allzu großen, aber durchaus deftigen Speise auch klein zerschnitten sein[2].

[Bearbeiten] Geschichte

Das Gabelfrühstück geht zurück auf das Déjeuner à la fourchette, eine französische Gewohnheit, die um 1806 im Gasthof zum goldenen Greif in Wien eingeführt worden sein soll[3], wobei im Unterschied zu den ursprünglich eher feinen Häppchen (Pasteten, Aspikgerichte etc.) in Wien kleine, deftige Gerichte wie geröstete Nierndeln, kleines Gulasch, Kutteln, Bruckfleisch, Beuschl und schließlich auch Würstel mit Saft dargeboten wurden. Das Gabelfrühstück, das zunächst „von den schwer arbeitenden Leuten (Bierkutschern, Mistbauern und sonstigen Lieferanten), die sehr zeitig aufstehen mussten, gern um 10/11 Uhr vormittags mit Bier eingenommen“[3] wurde, gehörte schon bald zu einer der beliebtesten Gepflogenheiten des Wiener Bürgers, gleichgültig, ob es sich um einen Handwerksmeister oder um einen Hofrat handelte[4].

Allerdings aß man das Gabelfrühstück oft auch an Stelle eines Mittagessens[1], wenngleich der berühmte, von Josef Weinheber gezeichnete „Phäake“ seinen sprichwörtlichen Wiener Appetit durch diese „kleine“ Zwischenmahlzeit nicht ernstlich gefährdet sieht[5]:

„Ich hab sonst nix, drum hab ich gern
ein gutes Papperl, liebe Herrn:
Zum Gabelfrühstück gönn ich mir
ein Tellerfleisch, ein Krügel Bier,
schieb an und ab ein Gollasch ein,
(kann freilich auch ein Bruckfleisch sein),
ein saftiges Beinfleisch, nicht zu fett,
sonst hat man zu Mittag sein Gfrett.“

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Eva Bakos: Gaumenschmaus und Seelenfutter: tausend Jahre Wiener Küche. Wien: Ed. Wien, 1996, S. 67.
  2. vgl. Heinz Dieter Pohl: Die österreichische Küchensprache: ein Lexikon der typisch österreichischen kulinarischen Besonderheiten mit sprachwissenschaftlichen Erläuterungen. Wien: Praesens-Verl. 2007 (unter „Gabelfrühstück“)
  3. 3,0 3,1 Ingrid Haslinger: Entwicklungsstationen einiger typischer Gerichte der Wiener Küche. In: Julia Danielczyk, Isabella Wasner-Peter (Hrsg.): „Heut‘ muß der Tisch sich völlig bieg’n“. Wiener Küche und ihre Kochbücher. Wien: Mandelbaum-Verlag, 2007, S. 11–48.
  4. Anna Schendl: Wiener Kochbuch und Wiener Küche im Spiegel der Zeit. Wien: Univ. Diss., 1961, S. 65.
  5. Josef Weinheber: „Der Phäake“, in: Ders.: Wien wörtlich. Gedichte. Hamburg: Hoffmann und Campe 1972, S. 71–72.

[Bearbeiten] Literatur

  • Eva Bakos: Gaumenschmaus und Seelenfutter: tausend Jahre Wiener Küche. Wien: Ed. Wien, 1996.
  • Ingrid Haslinger: Entwicklungsstationen einiger typischer Gerichte der Wiener Küche. In: Julia Danielczyk, Isabella Wasner-Peter (Hrsg.): „Heut‘ muß der Tisch sich völlig bieg’n“. Wiener Küche und ihre Kochbücher. Mandelbaum-Verlag, Wien 2007, ISBN 978-3-85476-246-1, S. 11-48 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung im Wiener Rathaus, 18. Oktober 2007 bis 9. Mai 2008).
  • Heinz Dieter Pohl: Die österreichische Küchensprache: ein Lexikon der typisch österreichischen kulinarischen Besonderheiten mit sprachwissenschaftlichen Erläuterungen. Wien: Praesens-Verl. 2007.
  • Anna Schendl: Wiener Kochbuch und Wiener Küche im Spiegel der Zeit. Wien: Univ., Diss., 1961. 
  • Christoph Wagner: Das Lexikon der Wiener Küche: mit den 100 besten Altwiener Rezepten. Wien: Deuticke, 1996.